Auslandsgermanistik

Aus·lands·ger·ma·nis·tik

 die Auslandsgermanistik SUBST Germanistik außerhalb der deutschsprachigen Länder oder als Institut in einem deutschsprachigen Land Auslandsgermanistik ist zunächst die Germanistik außerhalb der deutschsprachigen Länder, im Unterschied zur Inlandsgermanistik; der Ausdruck ist sodann aber auch Bezeichnung verschiedener universitärer Institute in deutschsprachigen Ländern, die mit Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache zusammengefasst sind. Der Ausdruck wurde angesichts von Diskussionen der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zur Rolle der Germanistik in deutschsprachigen Ländern und der Germanistik im außereuropäischen Ausland geprägt. Bis heute gibt es nicht nur Unklarheiten der Abgrenzung zwischen außereuropäischer und europäischer Auslandsgermanistik; vielmehr weist auch die Inlandsgermanistik (die traditionelle Germanistik) unterschiedliche Schwerpunktsetzungen auf: Zu ihr gehören nicht nur Institute bzw. Studiengänge für Deutsch als Fremdsprache oder Fremdsprachenphilologie, sondern teils auch interdisziplinäre "German Studies". Im Unterschied zur Inlandsgermanistik in deutschsprachigen Ländern erteilen die deutschen Seminare im außereuropäischen Ausland generell Fremdsprachenunterricht, was oft sogar als deren Hauptaufgabe angesehen wird. Ansonsten unterscheiden sich Inlands- und Auslandsgermanistik nicht in ihrem Gegenstand, sondern in ihrer unterschiedlichen Perspektive (Binnenperspektive oder Außen- bzw. Fremdperspektive). In der Vergangenheit orientierte sich die Auslandsgermanistik wesentlich an Struktur und Inhalten der Studiengänge der innerdeutschen Germanistik, was heute offenbar kaum noch uneingeschränkt der Fall ist. Im europäischen und mehr noch im außereuropäischen Ausland weist die Germanistik von Land zu Land nach Sprache, Kultur und Wissenschaftsstil, sowie nach gesellschaftspolitischen und institutionellen Bedingungen unterschiedliche Prägungen auf; im europäischen Raum brachten die politischen Wandlungen in Osteuropa seit 1989 erhebliche Veränderungen mit sich. Immer stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist die Vermittlung der Landeskunde: Denn besonders in der außereuropäischen Auslandsgermanistik gibt es (anders als größtenteils im europäischen Raum, besonders in den EU-Ländern) problematische Perspektiven auch mit gesellschaftspolitischer Brisanz unter anderem deshalb, weil es an der unmittelbaren Anschauung der authentischen Umwelt mangelt. Die Vielfalt der Orientierungen der europäischen wie der außereuropäischen Germanistik dokumentieren Schriften des DAAD. Eine zentrale Rolle bei der Ausrichtung der Auslandsgermanistik spielen auf Zeit entsandte Lektoren bzw. Gastdozenturen des DAAD, Mitarbeiter der jeweiligen Goethe-Institute sowie Fachberater der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen. Auch ist die außereuropäische Auslandsgermanistik in lokalen Fachverbänden (mit Schriftenreihen und Tagungen) organisiert und steht über internationale Fachverbände mit der Inlandsgermanistik sowie der europäischen Germanistik in Verbindung.